Das Quartier im Förderprogramm „Soziale Stadt“

Das etwa 55 Hektar große Gebiet mit 5.799 Einwohnern  (Stand 22.12.2015) liegt in Hellersdorf-Ost und wird nordwestlich von der Hellersdorfer Straße begrenzt. Weitere Gebietsgrenzen bilden die Riesaer Straße, die Nossener Straße und die Carola-Neher-Straße. Namensgebend ist ein 1987 angelegter Fußgängerbereich, der an der Fußgängerbrücke des U-Bahn-Trasse beginnt und bis zur Glauchauer Straße führt und beidseitig mit Kastanienbäumen bepflanzt ist. Er folgt der alten Wegeverbindung zwischen Eiche und Kaulsdorf. Um Verwechslungen mit der gleichnamigen Straße auf der anderen Seite der U5 zu vermeiden, erhielt er um das Jahr 2000 den Zusatz „Boulevard“.

Luftbild Quartier

Die Baustruktur ist gekennzeichnet durch eine fünf- bis sechsgeschossige Blockbebauung, die in der ersten Hälfte der 1980er Jahre in Plattenbauweise errichtet wurde. Die Wohnbebauung entlang des durch das Gebiet in Nord-Süd-Richtung führenden Boulevards Kastanienallee ist in der Erdgeschosszone mit Ladenlokalen für die   Versorgung der Wohnbevölkerung unterlagert.
Die Ansiedlung neuer großer Einkaufszentren in Verbindung mit dem sinkendem Haushaltseinkommen im Kiez führten ab Ende der 1990er Jahre zur Abwanderungen des lokalen Handels und zu steigendem Leerstand. In jüngerer Zeit haben sich zu dem noch verbliebenen Gewerbe soziale Träger angesiedelt und tragen mit ihren Angeboten in ehemals ungenutzten Ladenlokalen zur Aufwertung des Boulevards bei. Eine dauerhafte Strategie für eine hohe Nutzungsvielfalt am Boulevard Kastanienallee soll im Rahmen des QM-Verfahrens erarbeitet werden.
Auch bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen und Grünanlagen sowie im Bereich der Bildungseinrichtungen bestehen eine Reihe von städtebaulichen Defiziten. Der leer stehende und verwahrloste Kaufhallenkomplex führt diese Entwicklung nachdrücklich vor Augen.

Ohne eine Intervention bzw. Moderation bestünde die Gefahr, dass eine soziale Spaltung zwischen der langjährigen Bewohnerschaft und Zugezogenen sowie Migranten und Flüchtlingen entsteht bzw. dahingehende, bereits wahrnehmbare Ansätze sich weiter verfestigen. Das Wohngebiet wurde daher vom Berliner Senat Ende 2015 als Fördergebiet der „Sozialen Stadt“ festgelegt. Seit April 2016 ist ein Quartiersmanagement vom Land Berlin und vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf beauftragt, eine nachhaltige Gesamtstrategie mit allen Interessensgruppen im Wohngebiet zu entwickeln und umzusetzen.
Investitionen in die Infrastruktur, den öffentlichen Raum und das Wohnumfeld sollen Akteure im Quartier zusammenzubringen und aktivieren, um den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu stärken.

Soziale Indikatoren

Das Quartier weist insgesamt eine sehr hohe soziale Problemdichte auf, mit überdurchschnittlich hohen Werten bei der Langzeitarbeitslosigkeit, dem Anteil von Haushalten, die Transferleistungen beziehen sowie Kinder- und Altersarmut. In vielen Familien bestehen vielfältige Problemlagen, die auch mit gesundheitlichen Defiziten einhergehen. Auffällig sind bei Kindern und Jugendlichen häufige Entwicklungsverzögerungen im motorischen Bereich und gesundheitliche Probleme. Kinder im Wohngebiet sind von Armut überdurchschnittlich betroffen, was auch ihre Bildungs- und Entwicklungschancen beeinträchtigt. Familien mit Kindern haben daher einen besonderen Unterstützungsbedarf.

Charakteristisch für das Gebiet sind hohe Zuzugs- und Fluktuationsraten, weniger als die Hälfte der Haushalte leben länger als fünf Jahre im Gebiet. Der Anteil der Bewohnerschaft mit Migrationshintergrund hat sich zwischen 2012 und 2014 mehr als verdoppelt. Seit einigen Jahren gibt es einen verstärkten Zuzug von Familien mit Migrationshintergrund aus den innerstädtischen Gebieten. Hierdurch hat das Quartier zunehmend mit neuen Zuwanderergruppen zu tun.

Eine besondere Situation ist durch die Eröffnung der Notunterkunft (heute Gemeinschaftsunterkunft) in der Maxie-Wander-Straße entstanden. Etwa 500 geflüchtete Menschen mit Herkunftsländern vom Balkan und aus dem Nahen und Mittleren Osten haben hier vorübergehend eine Heimstatt gefunden. Angesichts der weltweiten Krisensituationen ist ein längerfristiger Betrieb der Unterkunft zu erwarten. Der ohnehin sozial instabile Kiez steht so vor einer zusätzlichen Herausforderung bei der Bewältigung der Integrationsaufgaben.

Ziele der Gebietsentwicklung

Das Gebiet soll entsprechend dem Bezirksregionenprofil Hellersdorf Ost als familiengerechter, vielfältiger und lebendiger Stadtteil entwickelt werden. Wesentliche Bausteine sind dafür:

  • Der Ausbau einer bedarfsgerechten sozialen Infrastruktur und Versorgung,
  • die Aufwertung und Einrichtung von großzügigen öffentlichen Anlagen für barrierefreie Mobilität,
  • die Stabilisierung der Sozialstruktur, Verbesserung der Chancengleichheit und Förderung armutsbekämpfender Strukturen,
  • die Aufwertung und Belebung des öffentlichen Raumes und die Verbesserung der räumlichen Verbindungen, insbesondere des klimafreundlichen Individualverkehrs (Radfahrer, Fußgänger).


Akteurs- und Kooperationsstrukturen vor Ort

In der Bezirksregion Hellersdorf Ost gibt es eine Vernetzungsrunde vom Jugendamt, in der sich Akteure der Kinder- und Jugendhilfe und angrenzender Bereiche austauschen. Im Planungsraum bestehen weitere Kooperationen und Netzwerke, wie die Nachbarschaftsinitiative Schleipfuhl oder der Nachbarschaftsdialog, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingsarbeit ab 2013 entstanden sind.

Wichtige Wohnungsunternehmen im Gebiet sind die „Deutsche Wohnen AG“ und die „Wohnungsbaugenossenschaft Wuhletal eG. Die „Deutsche Wohnen AG“ engagiert sich bereits im Quartier. Weitere Einrichtungen dort sind u.a. der Jugendklub U5, das Frauenzentrum Matilde, die Ev. Kirchengemeinde, die Grundschule am Schleipfuhl, die Schule am Rosenhain, das Studentencafé Interfix der Alice-Salomon-Hochschule und das Laloka.

Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept IHEK 2017 (PDF)